logo

Laufen . Wien Rundumadum 2016

, November 9th, 2016

Innerhalb eines Tages 130 km „Rundumadum“ um Wien laufen? Das lassen wir uns natürlich nicht 2x sagen. Nein, ihr habt nichts verpasst. Wir sind noch nicht unter die Ultraläufer gegangen, sondern haben mit unserer Crew VIE RUN mit 2 Staffeln zu jeweils 6 Personen die Herausforderung angenommen.

Wir sind also immer praktischerweise zu zweit auf unseren jeweiligen Etappen unterwegs gewesen und haben diese Laufveranstaltung der anderen und vor allem wirklich tollen Art lieben gelernt.

Normalerweise sind die Distanzen vergleichsweise kurz, die Strecken sind abgesperrt, Zuschauer drängen sich am Rand und Läufer im Starterfeld. Ganz anders hier: Ein überschaubares Starterfeld, familiäre und gelassene Stimmung, keine Streckenabsperrungen und absolut kein Stress. Herrliche Sache. Wir haben also eigentlich gemütliche Long Jogs absolviert und dabei Teile von Wien kennengelernt, von denen wir bis heute noch nicht wissen, wo diese eigentlich genau waren. Und das liegt nicht nur an den falschen Abzweigungen die wir genommen haben ;)

Auf Los geht’s los – Lena startet Richtung Kahlenberg

4 Uhr in der Früh, der Wecker klingelte, schnell angezogen, Rucksack geschnappt und schon ging’s Richtung Caro, um sie abzuholen und anschließend zum Start des Laufes zu fahren. Caro und ich liefen die erste Etappe. Knapp 24 Kilometer. Bis dahin musste wir im Startbereich, dem Turnsaal einer Schule, erstmal unseren GPS-Tracker abholen und zur Streckenbesprechung.


Und schon war’s 6 Uhr, Zeit für den Start. Eine überschaubare Menge an Läufern setzte sich also bei Wind und Regen in Gang, Stirnlampen auf der Stirn, Lampen am Körper und sonst tiefe Dunkelheit. Wir überholten relativ schnell die meisten Läufer und pendelten uns dann ab circa Kilometer 7 hinter zwei Läufern ein, die wir, wie sich dann später bei Tageslicht herausstellte, sogar kannten. Ohne die Streckenkenntnis von Caro und den beiden Herren hätt ich mich sicher ständig verlaufen. Dunkelheit, keine Kontaktlinsen und keinen Plan von der Strecke zu haben ist halt einfach keine gute Kombi. Nach circa 10 KM ging’s dann runter von der Donauinsel, Richtung Nussdorf zum Nasenweg. Falls ihr den noch nicht kennt, bitte googeln und raufgehen. Wir waren fertig. Komplett. Und neben uns gingen ältere Männer, ja sogar einer, der sein Rad rauf schleppte und riefen uns: „Ihr seid Heldinnen!“ zu! Unglaublich lieb und es zeigt, wie sehr sich Trail-Ultraläufe von schnellen, egoistischen Straßenrennen unterscheiden! Oben angekommen ging es weiter auf den Kahlenberg, immer noch bei Wind und Regen, aber mit einem so unglaublich tollen Ausblick, der alles wett machte.

14889947_1292131250805660_1726046358198742255_o


Meine nackten Oberschenkel waren zwar inzwischen taub, meine Finger durchgefroren und wir von oben bis unten nass, aber es war einer der schönsten Läufe meines Läuferlebens. Ohne die großartige Begleitung Caros wäre der Lauf aber nur halb so schön gewesen. Ja und irgendwann, nach 23 KM kamen wir zur Übergabestelle, bei der schon Dani und Johannes auf uns warteten. Schnell abschlagen, Erste-Hilfe-Set, GoPro und GPS-Tracker übergeben und weiter geht’s. Für die beiden.

Halbzeit  – Barb schleicht von Favoriten über den Zentralfriedhof auf die Donauinsel

Nach Lenas Part hieß es also noch 2 Etappen abwarten, bis endlich ich mit Manu an der Reihe war. Die Übergabe fand an irgendeiner Endstation in Favoriten statt, am Ende eines bergauf Stücks. Und da kamen sie uns entgegen, die 130 km Läufer, gehend um ihre Kräfte zu sparen. Wie sympathisch ist das eigentlich? Hier bin ich richtig. Mine bot ihnen Getränke an, die einen nahmen sie dankend an, die anderen lehnten dankend und mit befüllten Rucksäcken ab. An dieser Stelle hatten sie immerhin schon ca. die Hälfte der Distanz hinter sich und konnten immer noch plaudern, lachen und freundlich sein. Manche blieben sogar stehen um ein wenig zu quatschen. Es eilt ja nicht. Noch so etwas, das ich mag.

Auch die Übergabe fand ganz entspannt statt, da war sogar noch genügend Zeit um völlig ernstgemeinte Fotos zu schießen, bevor unsere Etappe über etwa 19 km losging.

Ein bisschen nervös war ich schon. Laufen steht steht seit meinem Marathon nämlich nicht so wirklich auf meiner To Do Liste und seit dem Halbmarathon in Disneyland Paris vor knapp 4 Wochen, bin ich eigentlich auch nicht mehr wirklich laufen gewesen. Noch dazu kam eine ordentliche Verkühlung. Aber das war alles kein Problem, unsere Staffeln lagen gut in der Zeit und ein Besenwagerl gibt es auch nicht. Also einfach mal schauen was geht, Pausen einlegen wenn nichts geht und den Lauf genießen.

Wir starteten also Richtung Wienerberg und hielten brav Ausschau nach den ein wenig klein geratenen Beschilderungen. Gerade als wir uns noch für super hielten, dass wir bis jetzt ur viele Schilder gesehen haben, passierte es auch schon. Wir standen an einer Abzweigung und hatten keine Ahnung, wo wir hin sollten. Die Abzweigung hätten wir in Wahrheit schon früher nehmen müssen, also mussten wir nach einigen Metern wieder umdrehen und fanden wieder auf den richtigen Weg. Tja, so eine Papierkarte bringt dann eben auch nichts, wenn man keine Ahnung hat, wo man gerade ist.

Wieder auf dem richtigen Weg trafen wir bei der roten Ampel endlich auch einen anderen Teilnehmer. „Der Münchner“, wie wir ihn leider nennen müssen, da wir uns nie mit Namen vorgestellt haben. Nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für einen Wegweiser war also gesorgt. Was aber noch viel besser war, er lief in so einem angenehmen Rhythmus und bei Steigungen gar nicht, richtig ideal für mich. Danke dafür. Nach ein paar Kilometern verabschiedeten wir uns und wünschten uns alles Gute. Wir sollten uns aber nicht nur bei der Verpflegungsstelle noch einmal über den Weg laufen.

Wir waren also noch immer irgendwo im 10. Bezirk unterwegs, aber endlich waren die Steigungen vorbei und es ging runter in den 11. Bezirk. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich bergab super finde? Wobei, ich habe es richtig gefeiert. Ich wurde schneller, fand es betont lässig und hätte ewig immer weiter runter laufen können. Aber das spielt’s ja leider nicht, aber zum Glück gibt es ja den Verpflegungsstand, um seinen Kummer mit allerlei Speis und Trank runterzuschlucken. Gerne hätten wir dort von den Muffins, „Nutella“broten und Weckerl probiert, aber irgendwie fühlten wir uns nicht so, als hätten wir das jetzt „verdient“ bzw. „erlaufen“. Nachdem wir uns aber trotzdem in Ruhe mit Bananen und Getränken gestärkt hatten, ging es los in Richtung Zentralfriedhof.

Auf den Friedhof hatten wir uns ja bereits im Vorfeld gefreut, endlich kamen wir in die Gegend, in der wir nicht mehr ganz so verloren waren. Es ging also an der Außenmauer entlang und als wir uns in eine andere Richtung verabschieden mussten, blieben wir noch einmal stehen. Zeit für unsere geplante Instastory musste schon sein. Manu suchte auf YouTube das Lied heraus und das Tor zum Friedhof wurde musikalisch mit „Es lebe der Zentralfriedhof“ auf Video festgehalten. Da kam auch schon der Münchner um uns wieder zu überholen. Blieb ebenfalls, machte ein Foto, erwies sich als Kenner von Georg Danzer und sah uns lachend und kopfschüttelnd an, als er sah, was wir da gerade in aller Ruhe machten. „Ihr wisst aber schon, dass das noch immer ein Rennen ist?“. Ja, eh, er lief weiter und wir machten noch mit der GoPro ein Video. So viel Zeit muss sein.

Wir schlängelten uns durch die Gassen in Richtung Donauinsel und meine Beine hatten langsam aber sicher genug. Mein Kopf spätestens, als wir die Donauinsel beim Kraftwerk Freudenau erreichten. Ich mag diese Strecke nicht. Dort ist immer Gegenwind, man sieht wie weit es noch ist, ich habe immer das Glück mit Schlechtwetter, wenn ich dort bin. Mit dem Wetter hatten wir zwar Glück, aber die Steinsporbrücke, unser Übergabepunkt, kam einfach nicht näher. Ich wusste zwar insgeheim, dass sie das dort vorne ist, aber als Manu meinte „Moment, jetzt bin ich mir nicht sicher. Ist sie das überhaupt schon?“, bin ich prompt stehen geblieben „Nein, das ist jetzt nicht dein Ernst“. War es zum Glück nicht, dort vorne war die Brücke, die mich erlösen sollte, unser persönliches Ziel.

Kurz vor der Brücke rief uns Mine von der anderen Seite der Donau zu. Welch schöne Klänge! Nur noch wenige Meter, bis wir Nick und Mine in die Lobau entlassen konnten. Aber klar, Zeit für ein völlig ernst gemeintes Übergabefoto musste sein.

Ab ins Ziel

Erstmal ging es jetzt nach Hause duschen, warm anziehen und dann ab zu Caro. Dort trafen wir uns alle (bis auf die letzen Staffelläufer) um dann gemeinsam zum Ziel zu fahren.

Das Ziel ist wieder im Turnsaal der Schule und somit auch nicht mit anderen Läufen vergleichbar. Keine zufälligen Passanten die einem zujubeln, sondern nur Angehörige und erfolgreiche Ultraläufer, die klatschen, wenn wieder jemand diesen Lauf gemeistert hat.

Dank der großen Leinwand, die die Positionen der Läufer anzeigte, und des Klingelns, das anzeigt, dass gleich jemand ins Ziel kommen wird, waren wir eigentlich gut vorbereitet, um unsere letzten beiden Staffelläuferinnen im Ziel mit Konfetti (#dankeherrcerny) zu erwarten.

Zu ihrem Pech schafften es Hanna und Irati ganze zwei Mal, sich nach ihrer Bisamberg Etappe kurz vor dem Ziel zu verlaufen. Wir standen also mit Konfetti ins unseren schwitzigen Händen beim Zielbogen und schreckten bei der Glocke aufgeregt hoch, während die beiden per Handy ins Ziel gelotst wurden.

Da wir hier noch ca. eine Stunde herumstanden, beglückten wir die weiblichen Finisher mit Konfetti. Bei den Männern waren wir uns dann nämlich nicht so sicher, ob sie nich doch noch alle Kräfte zusammensammeln würden, um uns mit bösen Blicken zu strafen. Wie wir sie bisher kennengelernt haben vermutlich nicht, aber wir mussten halt auch noch für unsere Mädels die kleinen Papierfreuden aufheben. Während wir also warteten, kam der Münchner nach 130 Kilometer ins Ziel. Wahnsinn. Er erkannte uns auch gleich wieder und gab uns die Hand um uns zu gratulieren. Da waren wir schon etwas perplex und mussten zurückgeben, dass er hier Gratulationen verdient hat. Wirklich jetzt, noch nie kamen mir 20 Kilometer so lächerlich vor :)

Kurz nach Mitternacht war es dann endlich so weit. Unsere erschöpften Mädels, die mal eben ihre Strecke um ein paar Kilometer verlängert hatten, kamen glücklich ins Ziel. Die stolze Crew warf mit Konfetti um sich, wir hatten es geschafft. Zusammen. Jeder leistete seinen Teil zu diesem wienerischen Abenteuer, das wir nächstes Jahr gerne wieder wiederholen möchten.

Ja liebe Organisatoren, wir sehen uns wieder, dann vielleicht mit einem weniger nervenaufreibendem Finish, dafür aber vielleicht sogar mit einer 3. Staffel. Also wir freuen uns schon!

Seid ihr noch da? Ausgezeichnet, dann habt ihr euch dieses Video zum Abschluss verdient.

 

Verpasse nicht:
FacebooktwittermailFacebooktwittermail
FacebookrssmailFacebookrssmail


2 Antworten zu “Laufen . Wien Rundumadum 2016”

  1. Steffi sagt:

    Cooler Bericht!
    Kommt auch einer zum Halbmarathon in Disneyland Paris?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.