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Das Ende von Wien Mitte?

, Juli 8th, 2019

Ich ziehe um, weg aus Wien und raus in die Umgebung. Stirbt deshalb der Blog oder muss ich jetzt den Blog umbenennen? Nein, keine Lust, aber ein bisschen Drama zum Einstieg kann ja nicht schaden.

Wie bereits geschrieben, steht ein großer Umzug an. Allerdings zieht sich der jetzt noch einige Monate dahin, denn zuerst muss da noch ein altes Haus saniert werden. Richtig, ich saniere ein Haus!

Gut, ich alleine saniere natürlich kein Haus. Mein Freund und ich, wir sanieren ein Haus. Okok, noch immer nicht ganz richtig. Dank unseres jahrelangen „Pfusch am Bau“ Konsums haben wir zwar von so Wörter wie Dampfabschlussbremse oder Bauabschlussfuge schon so einiges gehört, aber deshalb ein Haus so ganz alleine sanieren? So offensichtlich sind wir dann hoffentlich doch kein Fall fürs Fernsehen.

Deshalb lassen wir uns dabei helfen ein Haus zu sanieren! So, jetzt passt es.

Wie kam es dazu?

Die Familie meines Freundes hat da ein Haus, in dem haben schon seine Urgroßeltern gewohnt, seine Großeltern und sein Vater und Onkel durften (zumindest im Sommer) darin aufwachsen. Wir haben Geschichten von Besatzungsoldaten gehört, die auf dem Klavierrost gegrillt haben, von Bombeneinschlägen gegenüber die auch das eigene Dach in Mitleidenschaft gezogen haben und vom generationenübergreifenden Kampf gegen den Maulwurf (ja, angeblich standen die Vorahnen mit der Schrotflinte vor dem Maulwurfshaufen und den Rest möchte ich mir gar nicht vorstellen – armer Maulwurf). Gewonnen haben übrigens die Maulwürfe und ab jetzt müssen sie auch niemanden mehr fürchten. Wir, die nächste Generation, lassen den Maulwurf in Ruhe sein Haus bauen, wenn er uns unseres bauen lässt.

Das besagte Haus stand jahrelang leer und irgendwann kam es dazu, dass wir ab und zu den Garten benutzt haben. Ein wenig in der Sonne liegen und grillen – ja das war schon fein. So fein, dass wir immer öfter die Stadt verlassen haben und irgendwann die Idee hatten, dass man ja ein paar Räume fertig renovieren könnte.

Nach erfolgter Renovierung gab es dann gar kein halten mehr. Den Mann habe ich eigentlich in Wien kaum noch gesehen und es wurde immer klarer, dass wir eigentlich viel lieber im Haus draußen sind. Mehr Platz, mehr Ruhe, mehr Natur, mehr Schnee, mehr Zuhause.

Nach Klärung der Besitzverhältnisse stellte sich nur noch die Frage, wie wir das ganze Projekt jetzt angehen möchten. Kann man das gesamte Haus überhaupt noch retten oder muss man sowieso etwas neues hinstellen (weil es sich auch finanziell mehr lohnen würde)? Zum Glück sprach nichts gegen eine Sanierung und die nächste Generation im über 100 Jahre alten Haus.

Was bisher geschah…

Nachdem alles halbwegs abgeklärt war, haben wir an den neuen Plänen getüftelt und die Zimmer neu aufgeteilt. Dieser Prozess zog sich über Monate und auch jetzt, wo es los gegangen ist, gibt es ab und an noch eine Änderung. Soll die Küche ins Wohnzimmer oder doch durch eine Tür abgetrennt sein? Oft eine Geschmackssache, in diesem Fall wäre eine offene Wohnküche allerdings auch wieder ein finanzieller Mehraufwand. Aber solange noch keine Wände abgerissen wurden, ist das alles noch kein Problem.

Im Winter gingen dann die ersten Arbeiten los. Wir hatten zum Glück schon säcke- und autoweise den Hausrat entsorgt und Vorarbeiten erledigt, aber glücklickerweise auch einen Haufen Freunde, die gerne mal etwas kaputt machen wollten! In den nächsten Wochen wurden alle Böden rausgerissen und der gesamte alte Putz abgeschlagen und dann hieß es erstmal wieder warten. Bevor der Einreichplan nicht genehmigt wurde, konnten die groben Arbeiten wie Wände zumauern/abreißen, Fensterdruchbrüche nicht begonnen werden.

Es hieß also warten, warten auf die Genehmigung der Behörde. Was grundsätzlich eh auch wieder ganz gut gepasst hat, schließlich hat man ja noch ein Leben und Verpflichtungen nebenher. Außerdem mussten wir Elektro komplett neu planen und alle Anschlüsse für die neue Küche und die Waschräume. Was soll noch einmal gut daran sein, dass man alles frei planen kann? Ich war bin zumindest teilweise ein bisschen sehr verzweifelt, die Küche hat mich kurzzeitig den letzten Nerv gekostet und das Badezimmer ist noch immer nicht fertig geplant. Aber ernsthaft, wie soll man auch ein Badezimmer unter einer Dachschräge planen ohne vorhandene Wände und Dachdämmung? Weiß ich doch nicht, ob man sich da jetzt nach jedem Vollbad den Kopf anhaut oder ob es sich eh spielend ausgeht. Mir fehlt da persönlich einfach das Vorstellungsvermögen.

Auch wenn der Raum dadurch etwas dunkel bleibt, diese Tür muss auf jeden Fall bleiben. Wozu gibt es denn diese neuartigen LED-Leuchten?

Im Juni ging es dann endlich los. Wiedermal, dieses Mal aber richtig! Jedes Mal, wenn wir auf die Baustelle kommen, sieht es anders aus. Der Keller hat einen betonierten Boden und der Durchbruch für ein großes Wohn-/Esszimmer ist erfolgt. Türen wurden zugemauert mit den alten Ziegeln. Die Küche hat schon die Öffnung für ein zusätzliches Fenster. Es ist gerade richtig aufregend und ein bisschen wie im verrückten Labyrinth – auf einmal sind da Wege frei wo vorher keine waren, woanders sind welche plötzlich verschlossen und von oben rieseln ein paar Steine herunter.

Leider haben wir uns im Juni auch von 4 Bäumen verabschieden müssen und damit auch gleich von einer hervorragenden Schattenquelle für die Terrasse. Aber die Gefahr, dass der 110 Jahre alte Baum mit einer Höhe von etwa 40m bei einem Sturm aufs Haus fliegt war einfach zu groß. 3 weitere Bäume rundherum waren gerade am absterben und jetzt ist die Hoffnung groß, dass die restlichen Bäume jetzt ihre volle Pracht entfachen, wenn sie endlich Platz und Licht bekommen. Aber bitte schnell, wenns geht.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir planen gerade Elektro fertig und zeichnen die Steckdosen, Lichtschalter und Netzwerkdosen an, damit mein Herr damit endlich loslegen kann. Außerdem wird demnächst der Dachstuhl auf den neuesten Stand gebracht. Und was danach kommt, ich bin gespannt.

Ich behaupte also ganz leise, dass die nächsten Monate ein paar Baufortschritte, Einrichtungsbeiträge und DIYs (naja, und vielleicht auch anderes Zeug wie früher) hier erscheinen werden. Aber ich habe die letzten Beiträge immer behauptet, dass die gähnende Leere hier bald ein Ende hat und habe es doch nie eingehalten. Bleibt also auch hier „spannend“.

Ob wir am Schluss doch noch Besuch vom EU-Bausachverständigen bekommen werden? Wir hoffen nicht und klopfen aufs Bauholz.

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